Corporate Health in KMU

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine Frage der Unternehmens- und Zusammenarbeitskultur

Ausgangslage und Treiber

Gesundheitsmanagement wird im Schweizer KMU-Umfeld zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Ursachen dafür sind die demografische Entwicklung mit alternden Belegschaften, die Verschmelzung von Beruf und Familie im Rahmen von New Work, der digitale Wandel mit wachsender Geschwindigkeit, der anhaltende Fach- und Kompetenzmangel sowie ein neues Führungsverständnis, das auf Vertrauen, Mitbestimmung und Eigenverantwortung setzt.

Das berufliche wie private Umfeld fordert Mitarbeitenden immer mehr ab. Der steigende Personalmangel, der dazu führt, dass verbleibende und vermeintlich gesunde Mitarbeitende noch mehr leisten müssen, verstärken Überlastung und Ausfall- sowie Burnout-Risiken. Laut Gesundheitsförderung Schweiz fühlt sich jede vierte arbeitende Person gestresst, jede zweite ist emotional erschöpft. Die daraus resultierenden Kosten belaufen sich auf jährlich CHF 6.5 Milliarden, wovon CHF 1.5 Milliarden auf Absenzen entfallen. Besonders jüngere Menschen sind betroffen. Zusätzlich zeigen Studien, dass über 50 % der Mitarbeitenden trotz Krankheit arbeiten – weder gesund noch produktiv (Quelle, Fachhochschule Bern, 2024).

Mehr als ein Schlagwort

Gesundheitsmanagement ist weit mehr als eine Pflichtübung. Studien belegen klar: Gesunde Unternehmen arbeiten wirtschaftlich erfolgreicher, da Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Bindung höher, Fluktuation und Krankheitskosten dagegen tiefer sind.

Dabei gilt: Unternehmen und Mitarbeitende tragen gemeinsam Verantwortung. Über die reine Fürsorgepflicht hinaus, umfasst BGM sowohl harte Faktoren wie Kostenkontrolle bei Absenzen und Versicherungen als auch weiche Faktoren wie Präventionsmassnahmen, eine wertschätz-ende Zusammenarbeit, offene Führungskultur und transparente Kommunikation im Unter-nehmen.

Harte und weiche Faktoren im Überblick

  • Harte Faktoren: Direkter Lohnersatz wegen Ausfällen sowie Krankentaggeld- und Unfallversicherungskosten steigen kontinuierlich und belasten KMU direkt (Lohnkosten). Investitionen in Gesundheitsmanagement helfen, diese direkten und indirekten Lohnkosten im Griff zu behalten.
  • Weiche Faktoren: BGM bedeutet nicht Früchtetage oder Fitnessabos, sondern die Gestaltung eines respektvollen Arbeitsumfelds mit klaren Prozessen und moderner Führungskultur. Entscheidend ist, das Thema Gesundheit offen zu thematisieren und nachhaltig im Alltag zu verankern und nicht zu tabuisieren.

Rolle der Führungspersonen im Unternehmen 

Führungskräfte sind Schlüsselfaktoren für Motivation, Zufriedenheit und Bindung. Ihre Haltung prägt die Unternehmenskultur und wirkt direkt auf Produktivität und Ausfälle. Ein modernes Verständnis von BGM ist deshalb ein zentrales Element der Mitarbeiterbindung – und ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um Talente.

Drei Schritte zum nachhaltigen Gesundheitsmanagement

  1. Ist-Aufnahme & Analyse der Ausgangslage: Erhebung des Ist-Zustands mittels Mitarbeiterumfragen, Absenzen-Statistiken und Ursachenanalysen, sogenannte Stressoren.
  2. Erste konkrete Massnahmen: Optimierung des Gesundheitsschutzes und professionelle Betreuung ausgefallener Mitarbeitenden, Einführung präventiver Massnahmen wie z.B. fixe Pausen oder Definition von Prozessen mit klaren Schnittstellen und Verantwortlichkeiten.
  3. Etablierung eines BGM-Modells: Aufbau eines Dreisäulen-Modells bestehend aus Arbeitssicherheit, Care-Management & Prävention und Integration/Case Management. Verankerung des Themas auf Stufe Geschäftsleitungsebene und Bereitstellung finanzieller Ressourcen für konkrete Umsetzungs-Massnahmen und Projekte. Gesundheit kostet – Krankheit und Ausfälle kosten mehr.

Fazit

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist keine Modeerscheinung, sondern eine notwendige Antwort auf gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen. Es schafft für KMU einen klaren Wettbewerbsvorteil, indem Kosten gesenkt, Mitarbeitende gebunden und die Arbeitgeberattraktivität gesteigert werden. Gesunde Unternehmen arbeiten erfolgreicher – messbar in Produktivität, Zufriedenheit und geringerer Fluktuation.

Gastautor: Alexander Beck, Inhaber Beck Human Resources Consulting

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