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Interview mit Ramon Limacher, Dachdecker-Fassadenbauer bei der Schuler Gebäudehülle AG und Berufsweltmeister in der Kategorie Fassade.
Wo Handwerk und Leidenschaft aufeinandertreffen
Im November 2024 machte ein junger Handwerker aus Cham von sich reden: Ramon Limacher wurde an der 29. Weltmeisterschaft der jungen Dachdecker in Innsbruck Weltmeister in der Kategorie Fassade und holte Gold für die Schweiz. Mittlerweile ist einige Zeit vergangen. Wie hat sich das Leben des Weltmeisters seither verändert? Und was wurde aus dem talentierten Nachwuchs-Dachdecker?
Ramon Limacher, Sie wurden 2024 Weltmeister in der Kategorie «Fassade». Wie war Ihr Gefühl in diesem Moment?
Die Freude war riesig – zuerst mit meinen Teamkollegen, dann mit der ganzen Schweizer Delegation und unserer Begleitung. Nach der harten Vorbereitung war die Erleichterung gross und wir haben ausgelassen gefeiert.
Was hat Sie dazu bewogen, am Wettbewerb teilzunehmen?
Nach meinem Sieg an den SwissSkills 2022 war es für mich klar, auch international meine Leidenschaft für Gebäudehüllen zu zeigen. Ich messe mich gerne mit anderen, und weil man bei der WM im Team arbeitet, hat mich die Herausforderung, die Schweiz vertreten zu dürfen, sofort begeistert. Grosse Unterstützung habe ich auch von meinem Chef erhalten.
Inwiefern hat der Weltmeistertitel Ihre berufliche Laufbahn oder Ihr privates Umfeld beeinflusst – hat sich seither etwas für Sie verändert?
Nach meinem Sieg erhielt ich viele Glückwünsche von meiner Verwandtschaft. In den Wochen danach wurde ich oft angesprochen, da ich in der Zeitung war, unter anderem als «Zuger des Tages» und man mich in Cham erkannte – das habe ich sehr genossen. Ausserdem ehrte mich die Gemeinde Cham als «CHAMpion» in der Kategorie Bildung. Zusätzlich sorgten Plakate mit der Aufschrift «Wir bilden Weltmeister aus» für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Was haben Sie im letzten Jahr über sich selbst gelernt? Sowohl als Mensch als auch als Handwerker?
Ich habe gemerkt, wie belastbar ich bin und wie wichtig Teamgeist ist. Blindes Vertrauen und gegenseitige Unterstützung waren entscheidend für den Erfolg.
Wie kam es dazu, dass Sie sich gerade für diesen Beruf entschieden haben?
Schon immer wollte ich etwas Handwerkliches machen. Durch zahlreiche Schnupperlehren konnte ich verschiedene Erfahrungen sammeln und mich für den schönsten aller Berufe entscheiden. Die Vielfalt dieses Berufs hat mich angesprochen: Egal, ob Fassade, Steildach oder Flachdach – wir tragen überall als Team dazu bei, Gebäude zu schützen und technisch auf den neuesten Stand zu bringen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Gibt es den überhaupt?
Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht, da jedes Gebäude anders ist. Gleich ist nur der frühe Start im Betrieb und die Fahrt auf die Baustellen. Danach arbeiten wir je nach Wetter und Baugegebenheiten – langweilig wird es nie. Abends wird Material entladen und der nächste Tag geplant.
Was macht Ihnen am Beruf am meisten Freude?
Am meisten schätze ich die Teamarbeit auf Dächern und Fassaden – mit bester Aussicht und dem Gefühl, durch Sanierungen und Photovoltaikanlagen aktiv an der Zukunft mitzuwirken. Zudem bietet mein Beruf viele Weiterbildungsmöglichkeiten, vom Gruppen- oder Objektleiter:innen bis hin zum Gebäudehüllen-Meister:innen. Am Ende des Tages sehe ich, was ich geschaffen habe, und besonders stolz macht es mich, meine fertigen Werke später im Kanton Zug wiederzusehen.
Hat sich Ihr Beruf in den vergangenen Jahren verändert? Wenn ja, inwiefern?
Photovoltaik ist seit der Energiekrise 2022 ein Riesenthema – mittlerweile installieren wir bei nahezu jeder Dachsanierung eine Photovoltaik-Anlage. Dazu kommen Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und moderne Materialien, die den Beruf noch interessanter machen. Durch Weiterbildungen übernehme ich eigene Baustellen und habe mein Fachgebiet erweitert. Entscheidend sind dabei Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und der intelligente Einsatz moderner Materialien, um die Gebäudehülle zukunftsfähig zu gestalten.
Welche Entwicklung wünschen Sie sich für das Dachdeckerhandwerk in den nächsten Jahren?
Wichtig ist mir, dass wir auch künftig nach dem neuesten Stand der Technik arbeiten und uns stetig weiterbilden, um neue Herausforderungen zu meistern. Ebenso braucht es genügend Nachwuchs für unser Handwerk – sowie die Anerkennung, die es verdient, damit wir mit Stolz am Bau der Zukunft arbeiten können.
Was haben Sie persönlich für Ziele in der Zukunft?
Derzeit absolviere ich die Weiterbildung zum Objektleiter. Danach möchte ich mein Wissen in Projekten einbringen und weitere Erfahrungen sammeln. Besonders wichtig ist mir die Nachwuchsförderung. Es bereitet mir grosse Freude, junge Menschen zu motivieren und auszubilden. Gleichzeitig will ich meine Rolle im Betrieb festigen und spannende Projekte im Alt- und Neubau mitgestalten.



